Reghin
Warum Reghin die Stadt der Geigen heißt
1. Juli 2026
Reghin ist keine große Stadt, doch ihr Ruf reicht weit über ihre Größe hinaus: die „Stadt der Geigen“. Der Name stammt nicht aus einem Werbeslogan, sondern aus einer über Generationen gewachsenen Handwerkstradition, in der Fichte und Ahorn zu Musikinstrumenten werden.
Eine über die Zeit gewachsene Tradition
Ab der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wurde Reghin zu einem bedeutenden Zentrum der Musikinstrumentenherstellung in Rumänien und zog Werkstätten und Handwerker an, die sich auf den Geigenbau spezialisierten — den Bau von Geigen, Bratschen, Celli und allgemein von Streichinstrumenten. Die Musikinstrumentenfabrik Hora, eines der Wahrzeichen dieser Tradition, hat im Lauf der Jahre viele Geigenbauer der Stadt ausgebildet und ihnen sowohl die handwerkliche Lehre als auch den Zugang zu einem Umfeld geboten, in dem das Handwerk von einem Meister an den nächsten weitergegeben wurde.
Hier, in der Fabrik Hora, begann auch Vasile Mare 1970 mit achtzehn Jahren seinen Weg im Geigenbau — Berufsschule und Abendgymnasium, verbunden mit der täglichen Arbeit an der Seite erfahrener Geigenbauer. Diese Zeit, verbracht in einem Umfeld, in dem der Geigenbau das Kernhandwerk der Stadt war, legte die Grundlage für das Handwerk, das er ab 1982 unter eigenem Namen weiterführen sollte — von da an ausschließlich mit Meisterinstrumenten.
Der internationale Wettbewerb und die Anerkennung
Der Ruf Reghins entstand nicht allein durch die Produktion, sondern auch durch Wettbewerbe und Veranstaltungen rund um den Geigenbau, die Handwerker, Musiker und Juroren aus dem Ausland in die Stadt brachten. Der Internationale Geigenbauwettbewerb in Reghin ist ein fester Bezugspunkt — eine Plattform, auf der die örtlichen Geigenbauer ihr Handwerk neben dem anderer zeigen, vor den Augen fachkundiger Jurys.
Für die Familie Mare war und bleibt dieser Wettbewerb ein unmittelbarer Maßstab. Vasile erhielt 2001 eine Verdiensturkunde der Stadtverwaltung Reghin für die Förderung des Ansehens der Stadt. Sein Sohn Aurelian ging einen Schritt weiter: Beim Wettbewerb 2012 gewann er den 1. Platz in der Kategorie Bratsche, und 2014 erhielt er bei einer späteren Auflage desselben Wettbewerbs eine Auszeichnung für herausragende Leistung — zwei Momente, die den Familiennamen unmittelbar mit der Wettbewerbsgeschichte der Stadt verbinden.
Der Platz der Familie Mare in dieser Geschichte
Das Besondere an der Geschichte Reghins ist nicht nur die Dichte der Werkstätten, sondern die Art, wie das Handwerk oft von einer Generation an die nächste übergeht, innerhalb derselben Familie und mitunter unter demselben Dach. Die Familie Mare veranschaulicht genau dieses Muster: Vasile wurde bei Hora ausgebildet, Aurelian an der Seite seines Vaters, und das jüngste Familienmitglied, Eduard, ist bereits mit der Welt der Musik verbunden — nicht als Geigenbauer, sondern als Cellist, die erste Generation, die die Instrumente spielt, statt sie zu bauen.
Das erklärt zu einem guten Teil, warum die Bezeichnung „Stadt der Geigen“ für Reghin keine bloße Tourismusformel ist, sondern eine getreue Beschreibung eines Ortes, an dem der Geigenbau für manche Familien zu einem lebendigen Erbe geworden ist, seit Jahrzehnten vom Vater an den Sohn weitergegeben.